Sondertext DVD 1: Meerjungfrauen - Teil 1

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Sondertext DVD 1: Meerjungfrauen - Teil 1

Beitragvon blue » Mo Sep 25, 2006 8:53 pm

Yo!

Sabina war wieder produktiv:

Mythologie der Meerjungfrau
Teil I
Einführung:
Die Figur der Meerjungfrau ist in den Mythologien, den Legenden, Märchen und der Folklore der verschiedensten Länder der ganzen Welt verbreitet. Die Vorstellungen können sich sowohl überschneiden als auch widersprechen. Da sich Rumiko Takahashi in ihrem Werk „Mermaid Forest†œ aus dieser Schatztruhe der Mythologie bedient, möchten wir euch hier die verschiedensten Vorstellungen der Meerjungfrau etwas näher bringen. Der Glaube an die Existenz der Meerjungfrau reicht bis ins 20.Jahrhundert und es gibt sicher noch heute Menschen, die an diese glauben, oder zu mindestens glauben wollen. Bereits im 18.Jahrhundert, als die Wissenschaft am Anfang ihres Siegeszuges stand, wurde die Vorstellung von menschenähnlichen Wesen, die unter Wasser lebten, als kindisch abgetan und Meerjungfrauen tauchten fast nur noch in Märchen auf. Mit dem Aufkommen der Romantischen Bewegung jedoch, wurden diese Wesen ein weiteres Mal zum Motiv für Künstler der Literatur, Malerei und Bildhauerei. Wir machen uns nun auf eine Reise, die uns über die Kontinente angefangen bei Japan nach Europa, über Deutschland, Schottland, Irland, Griechenland und schließlich zu den slavischen Völkern führt.

Japan
Die ursprünglich Vorstellung der japanischen Meerjungfrau, Ningyo genannt (Nin人 bedeutet „Mensch†œ und Gyo魚 „Fisch†œ) weicht sehr von der heutigen Vorstellung, wie wir sie in Märchen wie „die kleine Meerjungfrau†œ finden, ab. In der japanischen Folklore handelt es sich bei der Ningyo nicht um ein wunderschönes Mädchen mit einem Fischschwanz, sondern um ein Mischwesen zwischen einem Affen und einem Karpfen, das mit einem Menschen meist nur den Kopf oder das Gesicht gemein hat. Jedoch leuchten sie golden und die Laute, die sie von sich geben ähneln einem wunderschönen Flötenspiel. Ihr Fleisch riecht besonders gut, soll auch vorzüglich schmecken und ewige Jugend und Schönheit verleihen. In einigen Legenden weinen sie Perlen, in anderen verwandelt sie sich, sollte sie jemals welche vergießen, in einen Menschen.

Die Ningyo bringt jedoch nur Unglück und Schmerz und ähneln trotz der Übersetzung „Meerjungfrau†œ in ihrem Verhalten gegenüber Menschen eher der Nixe, die nur Gefahr und Tod bringt. Sollte man eine fangen, gilt dies als Vorzeichen für einen Sturm und wenn Ningyo an den Strand gespült werden, ist dies ein Omen für einen bevorstehenden Krieg. Selbst die Unsterblichkeit kann sich schnell von einem Segen in einen Fluch wandeln, was Rumiko Takahashi in „Mermaid Forest†œ dramatisch in Szene setzt. Die Vorstellung, ewiges Leben sei widernatürlich und gleiche einem Fluch, ist tief in der japanischen Glaubenswelt verwurzelt. Ein Leben muss aus einem harmonisch ablaufen Zyklus besteht: Geburt, Aufwachsen, Altern und Sterben. In Japan gilt dies als idealer Ablauf und das Durchbrechen dieses Zyklus kommt einer Störung gleich. Diese Vorstellung wird bereits in einer Erzählung aus dem 9.Jahrhundert, dem „Taketori monogatari†œ, was in etwa mit „aus dem Bambus genommen†œ übersetzt werden kann, ersichtlich. Hier entscheidet sich ein Tennou, der die Möglichkeit hat unsterblich zu werden, gegen sie und vernichtet die Speise, die ihm diese Unsterblichkeit verleihen könnte.

Ein weiteres Beispiel für die Tragik des ewigen Lebens ist die Legende „Happyaku Bikuni†œ oder „Yao Bikuni†œ, der „800 jährigen Nonne†œ, bei der ein 15 jähriges Mädchen vom Fleisch einer Ningyo isst und danach nie wieder alter. Sie heiratet mehrere Male und bekam zahlreiche Kinder. All ihre Freunde, Ehemänner und Kinder altern jedoch und sterben. Sie beginnt herumzuwandern und bleibt nie lange an einem Ort, damit niemand bemerkt, dass sie nicht älter wird. Schließlich entscheidet sie sich dazu Nonne zu werden und zieht sich in die Berge zurück, wo sie mit 800 Jahren stirbt. Nach ihrem Tod wird ihr zu Ehren ein Schrein errichtet.

In Japan gibt es etwa 108 buddhistische Tempel, die Ningyo geweiht sind. 1868, während der Meijii Restauration, verlieh Japan eine mumifizierte Ningyo an die USA im Rahmen eines Austauschprogramms zum Erhalt und zur Verbreitung der japanischen Kultur. Diese erwachsene Ningyo war davor ein Teil der Sammlung des Yasaka-Tempels in den Yasaka- Bergen von Shikoku. Ningyo Shinkou, „Verehrung von Meerjungfrauen†œ, kann in den verschiedensten asiatischen Ländern wie China, die dort unter der Bezeichnung Pinyin bekannt sind, Korea und Thailand auch heute noch beobachtet werden. Es gibt auch shintoistische Schreine, die zu Ehren von Ningyo erbaut wurden.

In den 1920igern und 30igern verbreiteten sich in Amerika „Siedeshows†œ , zirkusähnliche Vorstellungen, mit falschen Ningyo. Die erste dieser Art war die Fiji mermaid, die von Phineas Taylor Barnum (1810 –1891) in dessen Kuriositätenshow ausgestellt wurde. Das Original verbrannte jedoch 1680 bei einem Feuer. Auch in Japan gab es die verschiedensten Freakshows, bei denen der Torso eines Affen mit einem Fischschwanz verbunden und als Körper einer Ningyo ausgegeben wurde.

Westeuropäische Vorstellungen
Heutzutage verstehen viele die Bezeichnungen Meerjungfrau, Nixe und Sirene fälschlicherweise als Synonyme. Diese drei mythologischen Figuren sind sich durchaus nicht unähnlich, unterscheiden sich jedoch in einigen Merkmalen entscheidend voneinander. Das heutige Bild dieser Fabelwesen ist der, einer wunderschönen Frau mit langen Haaren, die jedoch anstatt Beine eine Schwanzflosse hat. Wo dieser anfängt variiert zwar, aber am weitesten verbreitet ist die Vorstellung, das der Schwanz an der Hüfte beginnt. In ihrer zweischwänzigen Version erinnert sie an Sheila-na-gig, eine alte keltische Fruchtbarkeitsgöttin oder die indische Göttin Kali, die beide offen ihre Weiblichkeit zeigen. In ihrer bekannteren Version mit einem Schwanz symbolisiert sie eher die Jungfräulichkeit oder ein Gefäß, in dem die weibliche Sexualität eingeschlossen ist.

Die Kirche soll angeblich an die Existenz von Meerjungfrauen geglaubt haben. Diese Vermutung gibt es zwei Gründe: sie benutzen das Bild der Meerjungfrau als Emblem für die Sünde und die „femme fatale†œ und es soll Beweise gegeben haben, welche die Existenz solcher Wesen bezeugten.
Die Attribute wie Kamm und Spiegel wurden den Meerjungfrauen im Mittelalter zugesprochen. Sie symbolisieren die weiblich Eitelkeit und Schönheit, die einen Mann ins Verderben führen kann. Das Bild der Meerjungfrau wandelt sich von einer beinahe Göttin über die Furcht, welche Sirenen verbreiteten, zu einer ästhetischen Figur. Die mittelalterlichen Schriftsteller bezog sich zunächst nur auf die Sirene, aber das Bild der Meerjungfrau und der Sirene vermischte sich im Glauben der Bevölkerung soweit, dass nun auch Sirenen, die vorher Vogelattribute hatten, mit Fischschwänzen dargestellt wurden.

Sie wurden in dieser Zeit als eine eigene real existierende Spezies angesehen, an die auch die gebildetsten Männer dieser Zeit glaubten. 1403 soll eine Meerjungfrau nach einem Sturm im Schlick von West- Friesland gefunden worden sein. Jemand nahm sie mit nach Hause gab ihr Kleider und Nahrung. Einige berichten, sie lebte dort 15 Jahre lang in Gefangenschaft, da ihre ständigen Fluchtversuche misslangen. Man soll ihr das Spinnen und Knien vor einem Kruzifix beigebrachte haben, jedoch das Sprechen erlernte sie nie. In den Chroniken von 1587, schreibt Raphael Holinshed, dass unter der Herrschaft von John Henry II, Fischer aus Oreford in Suffolk einen Fisch, der die Gestallt eines Menschen hatte, fingen. Er aß sowohl rohen als auch gekochten Fisch und konnte entweder nicht sprechen, oder wollte es nicht. Er entkam nach zwei Monaten und kehrte ins Meer zurück.

In der Literatur begann man die Meerjungfrau als Metapher für schöne Frauen zu benutzen. Chaucer benutzt sie in einem Lied um eine schöne, aber gefährliche Frau zu charakterisieren und auch Shakespeare verwendete dieses Bild in seinen Stücken.

Meerjungfrau
Die Meerjungfrau tritt meist in der Rolle des erlösungs- und schutzbedürftigen Wesens auf. Meist handelt es sich dabei um ein seelenloses oder verdammtes Wesen, dass nur durch die Liebe eines Mannes gerettet werden kann. Ihr Fischschwanz hat am Ende keine waagrechte Flosse, wie man ihn bei Fischen findet, sonder ist wie bei den Meeressäugern waagrecht. Ihre Haut ist blass bis grünlich und ihre Haare sind ebenfalls entwerde grün oder glänzen lediglich in dieser Farbe. Diese Beschreibungen rühren von den Eindrücken der Seefahrer her. Häufig findet man Skulptur von Meerjungfrau als Galionsfigur an Schiffen und der Jugendstil hat häufig ihre Figur zum Thema. Heute ist die Meerjungfrau als Märchenfigur verbreitet, wobei die bekannteste wohl „Die kleine Meerjungfrau†œ von Hans Christian Andersen ist. In seiner Erzählung scheitert ihre Erlösung, da sie trotz schwerer Opfer nicht die Liebe des Prinzen gewinnen kann. Verewigt wurde diese Figur im Wahrzeichen Kopenhagens. Eine ähnliche Statue, die Havis Amanda, befindet sich in Helsinki. Sehr bekannt sind auch die tschechischen Märchenverfilmungen sowie Walt Disneys Umsetzung „Arielle, die Meerjungfrau†œ. Darüber hinaus tauchen Seejungfrauen unter anderem in den Märchen und Sagen „Die Wasserjungfer†œ und „Die Grüne Jungfer†œ aus dem Harz, „Die schöne Brunnenfrau†œ aus Lothringen sowie der „Sage vom Stauffenberger†œ aus dem Schwarzwald auf.

Undine
Eine der ältesten Vertreterin der Meerjungfrau ist die Undine, ein weiblich-jungfräulicher Wassergeist, der erst nach der Vermählung mit einem Menschmann seine Unsterblichkeit verliert und eine Seele bekommt. Die Undine taucht erstmals in Schriften des frühen 14.Jahrhunderts auf. In der germanischen Mythologie war sie, ein wunderschöner unsterblicher Wassergeist, der sich in Sir Lawrence, einen gutaussehenden Ritter, verliebte. Sie schworen sich ewige Treue und heirateten. Ein Jahr nach ihrem Ehegelöbnis schenkte Undine ihrem Gatten einen Sohn. Da sie aber von diesem Tag an zu altern begann, verlor er sein Interesse an ihr. Eines Tages ging sie spazieren und fand ihren Mann in den Armen einer anderen. Daraufhin verfluchte sie ihn. Er solle, solange er wach war, normal atmen können, sobald er jedoch einschlief, würde er über seinen Atmen die Kontrolle verlieren und sterben. Heute ist das Undine-Syndrom ein medizinischer Begriff, der eine Krankheit bezeichnet, bei der die autonome Atmungskontrolle fehlt oder gestört ist. Menschen, vor allem Kinder und Neugeborene, die unter dieser Krankheit leiden, sind im Schlaf besonders gefährdet.


MfG, blue....
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Beitragvon Liferipper » Di Sep 26, 2006 3:59 pm

Mythologie der Meerjungfrauen
Teil I
Einführung:
Die Figur der Meerjungfrau ist in den Mythologien, den Legenden, Märchen und der Folklore der verschiedensten Länder der ganzen Welt verbreitet. Die Vorstellungen überschneiden sich teils, wiedersprechen sich aber auch. Da sich Rumiko Takahashi in ihrem Werk „Mermaid Forest†œ aus dieser Schatztruhe der Mythologie bedient, möchten wir euch hier die verschiedenen Vorstellungen der Meerjungfrauen etwas näher bringen. Der Glaube an die Existenz der Meerjungfrauen reicht bis ins 20. Jahrhundert und es gibt sicher (auch) heute noch Menschen, die an sie glauben, oder zumindest glauben wollen. Bereits im 18. Jahrhundert, als die Wissenschaft am Anfang ihres Siegeszuges stand, wurde die Vorstellung von menschenähnlichen Wesen, die unter Wasser lebten, als kindisch abgetan, und Meerjungfrauen tauchten fast nur noch in Märchen auf. Mit dem Aufkommen der Romantischen Bewegung jedoch, wurden diese Wesen ein weiteres Mal zum Motiv für Künstler der Literatur, Malerei und Bildhauerei. Wir starten nun einen Rundgang, der uns ausgehend von Japan nach Europa führt und dabei auf die Erzählungen in Deutschland, Schottland, Irland, Griechenland und bei den slawischen Völkern eingeht.

Japan
Die ursprünglich Vorstellung der japanischen Meerjungfrauen, Ningyo genannt (Nin人 bedeutet „Mensch†œ und Gyo魚 „Fisch†œ) weicht sehr von der heutigen Vorstellung, wie wir sie in Märchen wie „die kleine Meerjungfrau†œ finden, ab. In der japanischen Folklore handelt es sich bei den Ningyo nicht um wunderschöne Mädchen mit einem Fischschwanz, sondern um Mischwesen zwischen einem Affen und einem Karpfen, die mit einem Menschen meist nur den Kopf oder das Gesicht gemein haben. Jedoch leuchten sie golden und die Laute, die sie von sich geben, ähneln einem wunderschönen Flötenspiel. Ihr Fleisch soll besonders gut riechen, vorzüglich schmecken und ewige Jugend und Schönheit verleihen. In einigen Legenden weinen sie Perlen, in anderen verwandeln sie sich, sollten sie jemals welche vergießen, in Menschen.

Die Ningyo bringen jedoch nur Unglück und Schmerz und ähneln trotz der Übersetzung „Meerjungfrau†œ in ihrem Verhalten gegenüber Menschen eher den Nixen, die nur Gefahr und Tod bringen. Sollte man eine fangen, gilt dies als Vorzeichen für einen Sturm und wenn Ningyo an den Strand gespült werden, ist dies ein Omen für einen bevorstehenden Krieg. Selbst die Unsterblichkeit kann sich schnell von einem Segen in einen Fluch wandeln, was Rumiko Takahashi in „Mermaid Forest†œ dramatisch in Szene setzt. Die Vorstellung, ewiges Leben sei widernatürlich und gleiche einem Fluch, ist tief in der japanischen Glaubenswelt verwurzelt. Ein Leben muss aus einem harmonisch ablaufen Zyklus bestehen: Geburt, Aufwachsen, Altern und Sterben. In Japan gilt dies als idealer Ablauf, und das Durchbrechen dieses Zyklus’ kommt einer Störung gleich. Diese Vorstellung wird bereits in einer Erzählung aus dem 9. Jahrhundert, der „Taketori monogatari†œ, was in etwa mit „aus dem Bambus genommen†œ übersetzt werden kann, ersichtlich. Hier entscheidet sich ein Tennou, der die Möglichkeit hat, unsterblich zu werden, dagegen und vernichtet die Speise, die ihm diese Unsterblichkeit verleihen könnte.

Ein weiteres Beispiel für die Tragik des ewigen Lebens ist die Legende „Happyaku Bikuni†œ oder „Yao Bikuni†œ, der „800 jährigen Nonne†œ, in der ein 15 jähriges Mädchen vom Fleisch einer Ningyo isst und danach nie wieder altert. Sie heiratet mehrere Male und bekommt zahlreiche Kinder. All ihre Freunde, Ehemänner und Kinder altern jedoch und sterben. Sie beginnt umherzuwandern/umherzuziehen und bleibt nie lange an einem Ort, damit niemand bemerkt, dass sie nicht älter wird. Schließlich entscheidet sie sich dazu, Nonne zu werden, und zieht sich in die Berge zurück, wo sie mit 800 Jahren stirbt. Nach ihrem Tod wird ihr zu Ehren ein Schrein errichtet.

In Japan gibt es etwa 108 buddhistische Tempel, die Ningyo geweiht sind. 1868, während der Meijii-Restauration, verlieh Japan im Rahmen eines Austauschprogramms zum Erhalt und zur Verbreitung der japanischen Kultur eine mumifizierte Ningyo an die USA. Diese erwachsene Ningyo war davor ein Teil der Sammlung des Yasaka-Tempels in den Yasaka- Bergen von Shikoku. Ningyo Shinkou, „Verehrung von Meerjungfrauen†œ, kann in den verschiedensten asiatischen Ländern wie China, wo sie unter der Bezeichnung Pinyin bekannt sind, oder Korea und Thailand auch heute noch beobachtet werden. Es gibt auch shintoistische Schreine, die zu Ehren von Ningyo erbaut wurden.

In den 1920ern und 30ern verbreiteten sich in Amerika „Sideshows†œ(?) , zirkusähnliche Vorstellungen, mit falschen Ningyo. Die erste dieser Art war die Fiji-Mermaid, die von Phineas Taylor Barnum (1810 –1891) in dessen Kuriositätenshow ausgestellt wurde. Das Original verbrannte jedoch 1680 bei einem Feuer. Auch in Japan gab es die verschiedensten Freakshows, bei denen der Torso eines Affen mit einem Fischschwanz verbunden und als Körper einer Ningyo ausgegeben wurde.

Westeuropäische Vorstellungen
Heutzutage verstehen viele die Bezeichnungen Meerjungfrau, Nixe und Sirene fälschlicherweise als Synonyme. Diese drei mythologischen Figuren sind sich durchaus nicht unähnlich, unterscheiden sich jedoch in einigen Merkmalen entscheidend voneinander. Das heutige Bild dieser Fabelwesen ist das wunderschöner Frauen mit langen Haaren, die jedoch anstelle von Beinen Schwanzflossen haben. Wo dieser anfängt variiert zwar, aber am weitesten verbreitet ist die Vorstellung, das der Schwanz an der Hüfte beginnt. In ihrer zweischwänzigen Version erinnern sie an Sheila-na-gig, eine alte keltische Fruchtbarkeitsgöttin oder die indische Göttin Kali, die beide offen ihre Weiblichkeit zeigen. In ihren bekannteren Versionen mit einem Schwanz symbolisieren sie eher die Jungfräulichkeit oder ein Gefäß, in dem die weibliche Sexualität eingeschlossen ist.

Die Kirche soll angeblich an die Existenz von Meerjungfrauen geglaubt haben. Für diese Vermutung gibt es zwei Gründe: Sie benutzt das Bild der Meerjungfrau als Emblem für die Sünde und die „Femme Fatale†œ, und es soll Beweise gegeben haben, welche die Existenz solcher Wesen bezeugten.
Im Mittelalter wurden Meerjungfrauen mit den Symbolen Kamm und Spiegel in Verbindung gebracht. Sie symbolisieren die weiblich Eitelkeit und Schönheit, die einen Mann ins Verderben führen kann. Das Bild der Meerjungfrau wandelte sich von dem eines beinahe göttlichen Wesens, über das der Furcht, welche Sirenen verbreiteten, zu dem einer ästhetischen Figur. Die mittelalterlichen Schriftsteller bezogen sich zunächst nur auf die Sirene, aber die Bilder der Meerjungfrauen und Sirenen vermischte sich im Glauben der Bevölkerung dermaßen, dass nun auch Sirenen, die vorher Vogelattribute gehabt hatten, mit Fischschwänzen dargestellt wurden.

Sie wurden damals als eigene, real existierende Spezies angesehen, an die auch die gebildetsten Männer dieser Zeit glaubten. 1403 soll eine Meerjungfrau nach einem Sturm im Schlick von Westfriesland gefunden worden sein. Jemand nahm sie mit nach Hause und gab ihr Kleider und Nahrung. Einige berichteten, sie habe dort 15 Jahre lang in Gefangenschaft gelebt, da ihre ständigen Fluchtversuche misslangen. Man soll ihr das Spinnen und das Knien vor einem Kruzifix beigebrachte haben, das Sprechen habe sie jedoch nie erlernt/gelernt. In den Chroniken von 1587, schreibt Raphael Holinshed, dass unter der Herrschaft von John Henry II, Fischer aus Oreford in Suffolk einen Fisch, der die Gestalt eines Menschen hatte, gefangen hätten. Er aß sowohl rohen als auch gekochten Fisch und konnte entweder nicht sprechen, oder wollte es nicht. Er entkam nach zwei Monaten und kehrte ins Meer zurück.

In der Literatur begann man die Meerjungfrau als Metapher für schöne Frauen zu benutzen. Chaucer benutzt sie in einem Lied um eine schöne, aber gefährliche Frau zu charakterisieren und auch Shakespeare verwendete dieses Bild in seinen Stücken.

Meerjungfrau
Meerjungfrauen treten meist in der Rolle erlösungs- und schutzbedürftiger Wesen auf. Meist handelt es sich dabei um seelenlose oder verdammte Wesen, die, die nur durch die Liebe eines Mannes gerettet werden können. Ihr Fischschwanz hat am Ende keine waagrechte Flosse, wie man sie bei Fischen findet, sondern ist, wie bei Meeressäugern, waagrecht. Ihre Haut ist blass bis grünlich, und ihre Haare sind ebenfalls entweder grün oder glänzen lediglich in dieser Farbe. Diese Beschreibungen rühren von Eindrücken der Seefahrer her. Häufig findet man Skulpturen von Meerjungfrauen als Galionsfiguren an Schiffen, und der Jugendstil hat häufig ihre Figur zum Thema. Heute sind Meerjungfrauen als Märchenfiguren verbreitet, wobei die bekannteste wohl „Die kleine Meerjungfrau†œ von Hans Christian Andersen ist. In seiner Erzählung scheitert ihre Erlösung, da sie trotz schwerer Opfer nicht die Liebe des Prinzen gewinnen kann. Verewigt wurde diese Figur im Wahrzeichen Kopenhagens. Eine ähnliche Statue, die Havis Amanda, befindet sich in Helsinki. Sehr bekannt sind auch die tschechischen Märchenverfilmungen sowie Walt Disneys Umsetzung „Arielle, die Meerjungfrau†œ. Darüber hinaus tauchen Seejungfrauen unter anderem in den Märchen und Sagen „Die Wasserjungfer†œ und „Die Grüne Jungfer†œ aus dem Harz, „Die schöne Brunnenfrau†œ aus Lothringen sowie der „Sage vom Stauffenberger†œ aus dem Schwarzwald auf.

Undine
Eine der ältesten Vertreterinnen der Meerjungfrauen ist Undine, ein weiblich-jungfräulicher Wassergeist, der erst nach der Vermählung mit einem Menschmann seine Unsterblichkeit verliert und eine Seele bekommt. Undine taucht erstmals in Schriften des frühen 14. Jahrhunderts auf. In der germanischen Mythologie war sie ein wunderschöner unsterblicher Wassergeist, der sich in Sir Lawrence, einen gutaussehenden Ritter, verliebte. Sie schworen sich ewige Treue und heirateten. Ein Jahr nach ihrem Ehegelöbnis schenkte Undine ihrem Gatten einen Sohn. Da sie aber von diesem Tag an zu altern begann, verlor er sein Interesse an ihr. Eines Tages ging sie spazieren und fand ihren Mann in den Armen einer anderen. Daraufhin verfluchte sie ihn. Er solle, solange er wach war, normal atmen können, sobald er jedoch einschliefe, würde er die Kontrolle über seinen Atmen verlieren und sterben. Heute ist das Undine-Syndrom ein medizinischer Begriff, der eine Krankheit bezeichnet, bei der die autonome Atmungskontrolle fehlt oder gestört ist. Menschen, vor allem Kinder und Neugeborene, die unter dieser Krankheit leiden, sind im Schlaf besonders gefährdet.
Zuletzt geändert von Liferipper am Di Sep 26, 2006 6:20 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon StephWingSab » Mi Sep 27, 2006 10:23 am

Wenn du genau wissen möchtest, was "Sideshows" sind, schau mal auf folgender Seite nach.

http://en.wikipedia.org/wiki/Sideshow

:wink:
Sabina
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Beitragvon StephWingSab » Mi Sep 27, 2006 5:37 pm

Was slawisch oder slavisch betrifft:

"slavisch" wäre die wissenschaftliche Schreibweise, die sich nach der Transcription und nicht nach der Transliteration richtet. Aber wenn euch die Transliteration lieber ist, können wir die auch gerne nehmen.
StephWingSab
 
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